Wer bin ich

Einiges  -aber nicht alles-  über mich

 

 

 

 

Video

Mein Name Hannelore oder besser: Hanne Brenner. Ich bin 1963 geboren und seit einem Reitunfall im Jahre 1986 bin ich inkomplett querschnittgelähmt. Das bedeutet, dass bei dem Unfall nicht alle Nerven im Rückenmark zerstört wurden, sondern nur ein Teil. Hierdurch bin ich noch in der Lage, mit Hilfe von Stöcken und Schienen bzw. Spezialschuhen zu laufen.

Ich habe rundum das Gefühl, vollständig als Behinderte in unserer Gesellschaft integriert zu sein und ich bin der Überzeugung, dass Integration bei den Betroffenen selbst beginnt. Wenn wir mit unserem Handicap normal umgehen, tut dies auch unsere Umwelt. Und das sehe ich auch als Verantwortung und als meine Aufgabe.

1989 zog mich mein Studium in Heidelberg in den "Süden". Bis dahin war ich eine "echte Norddeutsche", die sich in Lüneburg sehr wohl gefühlt hat. Nach dem Studium begann mein Arbeitsleben 1992 bei der Deutschen Telekom zunächst in Heidelberg im Controlling, später dann in der Softwareanalyse und Softwareentwicklung in Darmstadt und schließlich in der Vertriebssteuerung in Mannheim. Insgesamt 17 Jahre war ich für dieses Unternehmen tätig, bevor ich ihm Anfang 2009 den Rücken kehrte und bei Lotto Rheinland-Pfalz im Herzen von Mainz anfing. Lotto ist der größte Sportförderer im Lande und mir deshalb seit vielen Jahren gut bekannt. Hier zu arbeiten, ist für mich in mehrfacher Hinsicht sehr schön. Ich werde unterstützt in allen Belangen meines Sports, bekomme frei, wenn Championate, Traningswochenenden etc. anstehen und stoße immer auf Verständnis meiner Kollegen, wenn mein Sport mich zu irgendwelchen Aktionen zwingt. Zudem habe ich hier meine wirkliche „Berufung“ gefunden. Ich unterrichte Menschen, die in Lotto-Annahmestellen arbeiten möchten und stelle fest, dass ich mich als „Trainer“ richtig wohl fühle.

Mit 12 Jahren habe ich mit dem Reiten begonnen und war vor meinem Unfall Vielseitigkeitsreiterin. Der Unfall passierte bei einer Landesmeisterschaft (eine große L-Vielseitigkeitsprüfung) in Luhmühlen (südlich von Hamburg). Am 3-letzten Hindernis der Querfeldeinstrecke (nach ca. 4 km) stutzte mein Pferd. Ich machte den Fehler, es trotzdem zum Springen aufzufordern, was es dann auch tat. Der Sprung war auf Höchstmaß gebaut, fest und ein Tiefsprung (Landestelle 2 m tiefer als Absprungstelle). Das Pferd blieb mit den Vorderbeinen hängen und überschlug sich, mich unter sich begrabend. Für die Schwere des Unfalls denke ich, bin ich mit der inkompletten Querschnittlähmung noch ganz gut davon gekommen. Danach war ich jahrelang nur "Hobbyreiter" und hatte das Glück, das Pferd einer Freundin mitreiten zu dürfen. Dieser kleine russische Traber mit Namen Wasi schenkte mir sehr viel Vertrauen und das Bedürfnis, mal wieder wissen zu wollen, was eigentlich noch geht. So kam ich letztlich 1997 selbst zum Pferd. Geronimo hieß mein Neuerwerb und eigentlich wollte ich ihn nur als Freizeitpferd haben. Aber esdauerte nicht lange und mich packte das "Turnierfieber". Bald schon startete ich auf Regelturnieren und auf Spezialturnieren für Behinderte. Tja, und dann ging eigentlich alles ganz schnell, wie auf den nächsten Seiten zu lesen ist.

Die Pferde (und natürlich auch die Erfolge) haben mir soviel Selbstvertrauen und Glück geschenkt, dass ich heute sehr dankbar bin, dass alles so passiert ist, wie es eben war.

Für mich ist das Reiten eine der wenigen Sportarten, wo Nichtbehinderte die Leistungen der Behinderten wirklich beurteilen können, weil das Reiten für alle ein sehr schwer zu erlernender Sport ist. 

Es ist egal, ob ein Schenkel treibt oder der Schenkel durch eine Gerte ersetzt werden muss. Es kommt nur darauf an, dass das Pferd das Kommando auch versteht und umsetzt. Man kann die Fähigkeiten des Reiters daran erkennen, wie das Pferd geht. Ob der Reiter Einschränkungen hat oder nicht. Ich glaube, dass durch diese Sportart die Integration zwischen Nichtbehinderten und Behinderten ein ganzes Stückchen voran kommen kann und möchte gern hierzu beitragen.

Seit Anfang 2008 trainiere ich mit Dorte Christensen im rheinhessischen Wachenheim in der Nähe von Worms. Meine Pferde und ich sind hier her gezogen und für mich ging damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Unsere Pferde und unsere Hunde machen uns jeden Tag viel Freude und es ist einfach ein Genuss, in dieser wunderschönen Gegend zu trainieren. Ich habe Dorte sehr viel zu verdanken. Ohne sie wären meine Erfolge in Hongkong, Norwegen und in Kentucky nicht denkbar gewesen. Und auch die Aussicht, demnächst in Klasse S „anzugreifen“, ist sehr eng mit unserem intensiven Training verbunden. Um „oben“ zu bleiben, muss man immer besser werden. Das heißt tägliches konzentriertes Arbeiten mit dem Pferd und das gesamte Management um das Pferd herum.

Auch wenn mir einige Ausbilder in bestimmten Abschnitten meines Reiterlebens sehr viel weiter geholfen haben, ist für mich das Training mit Dorte der entscheidende Faktor für die Konstanz der Erfolge in den letzten Jahren. 

 

Meine ganz persönliche Mutprobe erlebte ich im Oktober 2005, als Sonja Hünecken und Michael Inselmann von "Art of you Design" auf mich zukamen. Sie wollten einen Kalender für 2006 mit Sportlern der Paralympics herausgeben und suchten nach Teilnehmern.

Neugierig geworden sah ich mir frühere Arbeiten der beiden an und fand die Bilder wunderschön. Die Vorstellung, zusammen mit meinem Pferd Lyriker dabei zu sein, reizte mich so sehr, dass ich für ein Foto-Shooting zusagte.

Diese Bilder stellen die Ästhetik des Körpers und den Menschen mit seiner jeweiligen Behinderung in den Vordergrund. Sie geben somit genau das wieder, wie ich meine Behinderung empfinde. Nicht als Last, sondern als einen Teil von mir. Und ich bin sicher, dass die anderen Sportler ähnlich empfinden.

 

Bildergalerie

werbinich_6.jpg (148684 Byte) werbinich_7.jpg (152605 Byte) werbinich_8.jpg (128108 Byte) werbinich_9.jpg (112878 Byte)

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken

Meine größten Erfolge im Behindertenreitsport sind bis jetzt:

1999

2000

2002

2003

2004

2005

2007

2008

2009

2010

2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 
2007, 2008 und 2010

2009

Gold in der Pflicht bei den Weltmeisterschaft in Dänemark 

4. Platz in der Kür bei den Paralympics in Sydney

2 x Gold und Teamsilber bei der Europameisterschaft in Portugal 

3 x Silber bei der Weltmeisterschaft in Belgien

2 xSilber bei den Paralympics in Athen

Gold und 2 x Silber bei der Europameisterschaft in Ungarn

2 x Silber und Bronze bei der Weltmeisterschaft in England

2 x Gold und Teamsilber bei den Paralympics in Hongkong

2 x Gold und Teamsilber bei der Europameisterschaft in Norwegen

2 x Gold und Teamsilber bei den Weltreiterspielen in Kentucky


Deutsche Meisterin

Deutsche Vizemeisterin

Im Regelsport zahlreiche Siege und Platzierungen bis zur Klasse M**

 

5